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Wie Sie eine Klartext-Kultur gestalten

Meetings sind oft nicht beliebt. Zeitfresser. Um-den-heißen-Brei-herumgerede. Show-down. Blöde Kekse. Besonders unangenehm und kontraproduktiv wird es, wenn Alle merken, dass etwas Unausgesprochenes in der Luft hängt. Manchmal ist sogar klar, um was es geht. Und keiner spricht es an. Durk Jager, CEO bei Procter&Gamble, nannte das "stinkender Elch" und initiierte erfolgreich einen Kulturwandel.

Ich entdeckte die Elch-Methode vor Jahren in "Management Y", diesem klugen Buch von Ulf Brandes und weiteren. Dort wird vom Kulturwandel durch den Anstoß des CEO berichtet:

 

Durk Jager beschrieb seine Beobachtungen in einer Videobotschaft und sagte, dass künftig über jeden dieser Elche gesprochen werden solle. 'Egal, was auf der Agenda steht. Immer.', heißt es weiter. Seine Führungsmannschaft bekam anschließend einen kleinen Plüschelch und wurden eingeladen, diesen bei Meetings - wenn wieder einmal ein stinkender Elch auf den Tisch sitzt - lächelnd auf den Tisch zu legen und abzuwarten.

 

Die Wirkung soll enorm gewesen sein. Und es soll erlösend gewesen sein, endlich mit offizieller Erlaubnis oder besser Einladung heikle Themen ansprechen zu können. Die spielerische Leichtigkeit entstand schnell und führte zu einer völlig neuen Gesprächs- und Vertrauenskultur.

"Wer legt den Elch zuerst auf den Tisch?" - Eine gute Gesprächskultur tut den Menschen und dem Business gut!
"Wer legt den Elch zuerst auf den Tisch?" - Eine gute Gesprächskultur tut den Menschen und dem Business gut!

Was für ein Gewinn, rumorende Themen aus der Welt schaffen zu können. Dazu kam noch, dass Probleme schneller gelöst werden konnten. Die Teamkultur veränderte sich somit nicht nur auf der Beziehungsebene positiv. Auch die produktive Ebene profitierte davon. Natürlich!

 

Bei P&G spricht man davon, dass die Aktion "Moose on the table" mit Hinblick auf ihre Wirkung eine der kostengünstigsten Kulturwandel-Maßnahmen in der Unternehmengeschichte war. Beeindruckend, oder?

 

Gerade in Familien gärt viel Unausgesprochenes; da dürfte manch stinkender Elch am Konferenz- oder Essenstisch sitzen. Und ich behaupte, dass im Grunde und am Ende des Tages alle Beteiligten ihn lieber nicht dort hocken hätten. Oft ist es die pure Hilflosigkeit: "Wie soll man Unangenehmes ansprechen? Welches Tabu muss man schützen? Welche Lawine könnte ins Rollen geraten?" Es hat mit der Ungewissheit und oftmals sogar mit der Angst vor den Folgen zu tun, dass man sich lieber an den Gestank gewöhnt, anstatt sinnvolle Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

 

Probieren Sie doch mal die Elch-Methode aus. Ich wünsche Ihnen allerbestes Gelingen!

 

 

 

Bildquellen: unsplash_dylan-swillis und philip-swinborn

Buch: MANAGEMENT Y, S. 156f, Ulf Brandes u. a., campus